Das gotische Memorienportal

Den heutigen Zugang zur Memorie bildet das spätgotische (1350-1520) Memorienportal, welches um 1420-1425 datiert wird. Das Portal hat zwei Schauseiten: Eine zum südlichen Seitenschiff hin und eine im Inneren der Memorie.

Schauseite im südlichen Seitenschiff

Der Hl. Martin am Memorienportal
Memorienportal - Schauseite im Seitenschiff. Rechts zeigen sich von unten nach oben Martin, Margarete, Katharina und Dorothea. Links, von unten beginnend, sind Stephan, Elisabeth, Barbara und Agnes dargestellt.

Im südlichen Seitenschiff besteht der Portalrahmen aus einem Eselsrückenbogen mit fein gegliedertem Gewände. Die Spitze des Bogens wird durch einen kleinen Wimperg (Ziergiebel) gebildet, der von einer Kreuzblume (Spitze aus Blattwerk) gekrönt wird. Der Wimperg ist mit Maßwerk und einem Wappen ausgestaltet. Die Kante des Eselsrückenbogens ist mit so genannten Krabben in Form von empor kriechenden Blättern besetzt. Der Bogen wird links und rechts von zwei reich verzierten Fialen (spitzes, turmartiges Zierglied) begleitet, die in strebepfeilerartige Architekturelemente münden, die das Gewände des Portals nach außen hin begrenzen. Vom Scheitel des Bogens aus wird eine reich skulptierte Archivolte (Bogenlauf) nahtlos im Gewände fortgesetzt. Die Heiligenfiguren werden jeweils von steinernen Baldachinen überdacht. Rechts zeigen sich von unten nach oben Martin, Margarete, Katharina und Dorothea. Links, von unten beginnend, sind Stephan, Elisabeth, Barbara und Agnes dargestellt.

Schauseite in der Memorie

Die Pforte im Inneren der Memorie gehört einer jüngeren Stillage an, als das Portal zum Dom hin - das bezeugt insbesondere die Ausarbeitung des Maßwerks. Abgetrepptes Gewände und Bogenlaibung fallen hier komplett weg. Vielmehr wird die Öffnung nur noch von einem feingliedrigen architektonischen Rahmen umgeben. In der Spitze des mit Krabben besetzten Kielbogens befindet sich wieder ein kleiner Wimperg (Ziergiebel), der durch eine runde Scheibe ausgefüllt wird. Auf dessen Spitze ruht eine Kreuzblume (Spitze aus Blattwerk). Unter dem Kielbogen hängt filigranes Maßwerk herunter. Kreismotive mit fischblasenförmigen Mehrfachschneußen, die sich durchdringen, stehen für eine Weiterentwicklung des Maßwerks und eine neue Stilstufe innerhalb der Spätgotik. Begrenzt wird die Öffnung durch Pilaster (nur wenig aus der Wand hervortretende Wandpfeiler), die mit unterschiedlich hohen Fialen (spitzes, turmartiges Zierglied) abschließen. In den Pilastern stehen unter Baldachinen jeweils zwei Vollplastiken auf gleicher Höhe. Links werden die Heiligen Katharina und Barbara dargestellt – rechts sind es Dionysius (oder Alban) und Georg. Der Entwurf für diesen Portalrahmen stammt wahrscheinlich von dem Frankfurter Dombaumeister Madern Gerthener. Es ist allerdings umstritten, ob Gerthener auch die Figuren schuf.

Das romanische Memorienportal

Im Inneren der Memorie zeigt sich rechts neben dem neueren gotischen Portal noch das alte romanische Memorienportal, welches heute vermauert ist. Es handelt sich hierbei um ein Gewände-Säulenportal aus rotem Sandstein aus den Anfängen des 13. Jahrhunderts. Das abgetreppte Gewände wird durch zwei vorgesetzte Dreiviertelsäulen und figurale Friese profiliert. Die Kapitellzone ist mit Pflanzenornamenten und Figuren dekoriert. Der Rundbogen stuft sich nach innen ab und ist mit Archivolten (Bogenlläufe) und einem Schuppenfries geschmückt.

Bildprogramm

Das Tympanon (Rundbogenfeld über dem Türsturz) ist durch ein Relief ausgestaltet. Dargestellt ist der Hl. Martin als Bischof und Patron des Domes. In seiner rechten Hand hält er eine Miniatur des Mainzer Doms. In seiner linken hält er ein Buch mit dem lateinischen Friedenswunsch für dieses Gotteshaus und seine Besucher: „Friede diesem Haus und allen, die darin wohnen“. Man geht davon aus, dass das Relief nach 1220 entstanden ist. Die Inschrift nennt einen sonst unbekannten Stifter namens Emicho Zan.

Nachweise

Verfasser: Rebecca Mellone

Literatur:

  • Arens, Fritz: Der Dom zu Mainz. Darmstadt 32007, S. 59-60.
  • Nichtweiß, Barbara (Hrsg.): Lebendiger Dom. St. Martin zu Mainz in Geschichte und Gegenwart. Mainz 1998, 79-81.
  • Schnell, Hugo/Mai, Paul (Hrsg.): Der Dom zu Mainz. München/Zürich 161980. (Kleine Kunstführer 608), S. 35.
  • Schuchert, August: Der Dom zu Mainz. Mainz 41963, S. 57.