Das Denkmal für Uriel von Gemmingen

Das Denkmal für Erzbischof Uriel von Gemmingen (1508-1514) stammt von dem Bildhauer Hans Backoffen (der Kopf Uriels wurde allerdings 1831 von Joseph Scholl erneuert) und ist der Spätgotik (1350-1520) zu zuordnen. Als Thema wählte Backoffen diesmal nicht die Darstellung des verstorbenen Oberhirten, sondern ein Andachtsepitaph. Die Figuren, Kapitelle und Baldachine sind aus Eifeltuff, während die rahmenden Teile aus grauem Sandstein gefertigt sind.

Das Denkmal bedeutet auch einen Bruch mit der damaligen Mainzer Sitte, dass die Denkmäler in der Nähe des Grabes aufgehängt wurden; das Grab des Erzbischofs befindet sich in der Memorie. Nun sind Grab und Denkmal auch räumlich weiter voneinander getrennt, der reine Denkmalscharakter steht im Vordergrund.

Bildprogramm, Stil und Ikonographie

Uriel kniet vor dem Kruzifix, an dem Jesus in königlicher Würde hängt und welches im Mittelpunkt des Denkmals steht. Links und rechts sind die Heiligen Martin und Bonifatius zu sehen. Sie treten als Fürbitter für Uriel beim gekreuzigten Jesus auf. Die prächtigen greisen Köpfe und der Gewandfall der Heiligen, erinnert an die Holzfiguren des Marienaltars. Die seitlichen Säulen und der Triumphbogen dokumentieren den Einfluss der Renaissance.

Uriel von Gemmingen

Uriel von Gemmingen war dem Humanismus zugetan. Er hatte in Padua studiert. Über das Amt des Domdekans wurde er 1508 zum Erzbischof gewählt. Er setzte sich energisch für den Frieden im Reich ein. Sein plötzlicher Tod im Alter von 45 Jahren hinderte ihn, seine Pläne in die Tat umzusetzen (Biographie). Er starb laut Inschrift am 9. Februar 1514.

Inschrift

Urieli de Gemmingen archiepiscopo Moguntino, principi electori, viro singulari vitae gravitate animique constantia praeclaro, qui posteaquam sedit annos IIII, menses IIII, dies XIII, aetatis suae anno XLV, a Christo nato MDXIIII V idus Februarii vitam cum pontificatu deponit.

Dem Uriel von Gemmingen, Erzbischof von Mainz und Kurfürst, einem durch einzigartige Würde des Lebens und Standhaftigkeit des Geistes ausgezeichneten Mann, welcher sein Leben zusammen mit der Bischofswürde aufgab, nachdem er 4 Jahre, 4 Monate und 13 Tage regiert hatte, im Alter von 45 Jahren am 9. Februar 1514.

Nachweise

Verfasser: Elmar Rettinger und Rebecca Mellone

Geändert am: 22.10.2010

Literatur: