Der Westbau

Während der Bau des Langhauses zu Beginn des 13. Jahrhunderts weitgehend fertig gestellt war, begann man zudem mit Erneuerung des Westbaus. Als Baustoff diente für die unteren Bereiche vorwiegend gelblicher Mainsandstein. Zudem nutze man Muschelkalk, Sandstein und Tuffstein für die Errichtung der oberen Gebäudeteile. Ursprünglich waren die Westteile verputzt. Erst 1928/30 verkleidete man den Westbau mit roten Sandsteinplatten. Die Errichtung der Westteile insgesamt erstreckte sich über den Zeitraum von circa 1200 bis 1239 – der Westteil des Domes ist damit ein beeindruckendes Zeugnis der staufischen Romanik (1140-1250). Mit der Fertigstellung des Westbaus, war nun der Dom erst einmal vollendet und so konnte er 1239 von Erzbischof Siegfried III. von Eppstein feierlich geweiht werden.

Äußerlich lässt sich der Westbau in zwei Bereiche untergliedern: In den Westchor und das gewaltige Querhaus mit einem prächtigen, mehrgeschossigen Turm über der Vierrung. Während der untere Bereich der Westteile noch sehr schlicht gehalten wurde, wird in den oberen Teilen alles an Formen und Zierde dargeboten, worüber die Stilstufe der staufischen Romanik verfügte.

Der Westbau von außen

Der Westchor

Nicht erst der Grundriss lässt erkennen, dass der Westchor als eine so genannte Dreikonschenanlage konzipiert wurde - schon bei einem Blick von außen, kann man diese Konzeption erfassen. Den Kern bildet ein quadratisches Chorjoch, das von drei Konchen (halbkreisförmige Ausbuchtungen) umgeben ist. Außen weist ein Kreuzdach mit drei Giebeln auf die Kanten der rechteckigen Grundform im Inneren hin. Die Giebel sind mit Rosettenöffnungen (sie gehören zu den frühesten in Deutschland und haben ihre Vorbilder in Nordfrankreich) und Bogen-Friesen verziert. Vor den Giebeln liegen die abgewalmtem Dächer der Konchen. Die Konche im Scheitel des Chores wird von zwei Flankentürmen, die auf Strebepfeilern sitzen, begleitet.

Die Konchen haben einen 2-geschossigen Aufriss und ihre Kanten sind ebenfalls mit Strebepfeilern besetzt. Die untere Hauptzone beherbergt die rundbogigen Chorfenster. Sie schießt oben mit Rundbogen-Friesen und einem Band aus Laubwerk ab. In der oberen Zone dient ein kassentenartiger Plattenfries als Brüstung für eine Zwerggalerie (Laufgang) aus einer Abfolge von gekuppelten Zwillingsfenstern mit Überfangbögen.

Das Querhaus

Östlich des Chores grenzt das Querhaus mit seinem gewaltigen Vierungsturm an. Die Querhausarme haben einen nahezu quadratischen Grundriss und sind mit einem Satteldach bedeckt.

Die Fronten der Querhausarme sind unterschiedlich gestaltet. Man gab der Fassade des nördlichen Querhauses gestalterisch den Vorzug, da sie zum zentralen Platz der Stadt, dem Markt, hin liegt. So ist der Nordgiebel z. B. mit einem Paar aus portalartig gerahmten Zwillingsöffnungen versehen worden. Darüber hinaus zeugen eine Fülle von Säulchen mit abwechslungsreichen Kapitellen, verschiedenen Blendarkadenreihen und Kleeblattbogenfriesen von einer reichen Formenvielfalt. Im Gegensatz zur südlichen Querhausfassade befindet sich hier auch ein Rundfenster, das innen und außen von einem profilierten Rahmen umgeben wird.

Das südliche Querhaus wurde in seiner Gestaltung etwas abgespeckt - die Verzierung zeigt sich weniger kleinteilig. Dennoch zeigt es sich mit schönen portalartigen, von vielen Säulen gerahmten, Fensteröffnungen und auch Bogenfriese treten hier wieder als gestalterisches Motiv auf.

Der mehr-geschossige Vierungsturm bestand in spätromanischer Zeit nur aus den zwei übereinanderlaufenden Galerien mit Zwillingsöffnungen. Erst in der Spätgotik (um 1490) setzte man das Glockengeschoss mit den paarweise angeordneten Spitzbogenfenstern auf. Nach dem Brand von 1767 bekrönte der Architekt Fanz Ignaz Michael Neumann den Vierungsturm abermals mit zwei weiteren sich verjüngenden steinernen Geschossen im gotischen Stil.

Der Westbau im Inneren

Der Westbau stellt sich im Inneren wesentlich schlichter dar, als sein prachtvolles Äußeres vielleicht vermuten lässt. Insgesamt wirkt er innen sehr massiv und flächig – die für die oberrheinische Romanik typischen Kantenprofile, Nischen und Blendarkaden kamen hier nicht zum Einsatz. Eine mächtige Freitreppe führt in die erhöhte Vierung.

Darüber präsentiert sich der Vierungsturm ungewöhnlich steil mit einer 3-zonigen Gliederung. Den Abschluss bildet ein kuppelartiges Schirmrippengewölbe.

Hinter der Vierung liegt das Chorquadrat, das das gleiche Kreuzrippengewölbe wie die Querhausarme und das Langhaus aufweist. Die Konchen besitzen ein abgewandeltes so genanntes Klostergewölbe und beherbergen jeweils drei Rundbogenfenster. Unter dem Westchor befindet sich die Westkrypta.

Die Wände des südlichen Querhausflügels weisen nahezu keine Gliederung durch Verzierungselemente auf – sie sind glatt, wirken daher schwerfällig und werden nur durch die rundbogigen Fensteröffnungen durchbrochen. Allerdings wird dieser massive Eindruck der Wände durch die reiche Ausstattung von Grabdenkmälern (hier liegt z. B. das Grabdenkmal des Erzbischofs Konrad II. von Weinsberg) optisch aufgelockert. Zudem gelangt man von hier aus zum Leichhofportal.

Auch das nördliche Querhaus zeigt sich mit schlichten Wandaufrissen. Auffällig ist allerdings das romanische Säulengewändeportal an der Nordwand, das zur anliegenden Gotthard-Kapelle führt. Auch in diesem Gebäudeteil befinden sich einige Grabdenkmäler, sowie das Taufbecken, die Orgel, der Nassauer-Altar und das Wächterhäuschen.

Nachweise

Verfasser: Rebecca Mellone

Literatur:

  • Arens, Fritz: Der Dom zu Mainz. Darmstadt 3. Auflage 2007.
  • Koch, Wilfried: Baustilkunde. Das Standardwerk zur europäischen Baukunst von der Antike bis zur Gegenwart. München 27. Auflage 2006.
  • Winterfeld, Dethard von: Die Kaiserdome Speyer, Mainz, Worms und ihr romanisches Umland. Regensburg 2000.