Historische Ansichten

Hinweise

Literaturtipps

  • Arens, Fritz: Eine neugefundene Ansicht des Mainzerdomes. In: Mainzer Almanach (1957), S. 57 ff.
  • Arkadien am Mittelrhein: Caspar und Georg Schneider, hrsg. von Marlene Landschulz [u.a] Kat. Ausst. Mainz 1998, Wiesbaden1998.
  • Behringer, Wolfgang/Roeck, Bernd (Hrsg.): Das Bild der Stadt in der Neuzeit 1400-1800. München 1999.
  • Kautzsch, R./Neeb, E.: Der Dom zu Mainz. Darmstadt 1919. (Die Kunstdenkmäler der Stadt und des Kreises Mainz Bd. 2, Teil I).

Der Mainzer Dom in historischen Ansichten

von Ulrike Glatz

Seit dem frühen 16. Jahrhundert ist der Mainzer Dom im Bild überliefert. In den frühen Ansichten ist er eingebunden in Prospekte, die die Stadt von ihrer Schauseite vom Rhein her zeigen. Zusammen mit der Liebfrauenkirche bietet er in seiner das Stadtbild beherrschenden Lage Orientierung und Identifikation. Die steil aufragenden Türme setzen visuelle und symbolische Akzente. Topographische Genauigkeit geht einher mit der Wiedergabe eines idealen Bauzustandes, der auch in kriegerischen Zeiten ein intaktes städtisches Gemeinwesen zu vermitteln möchte. Seit dem 18. Jahrhundert rückt das Einzelmonument mit seiner direkten Umgebung stärker in das Zentrum der Darstellung. Der Blick richtet sich nicht mehr nur von außen auf die Stadt.
Historischen Ansichten des Domes sind wichtige Quellen für die Baugeschichte. So zeigen die frühesten Beispiele die beiden Haupttürme mit ihren hohen gotischen Helmen. Die Veränderungen am Ostturm nach 1579 sind ebenso erkennbar wie der neue Westturm nach dem Brand von 1767 oder die Eisenkuppel Mollers auf dem Ostturm nach 1828. Zugleich zeigen sie die Wandlungen der für Mainz so charakteristischen Domumbauung. Auch Ereignisse wie die Beschießung und die damit verbundene Zerstörung 1793 werden dokumentiert.
Im 19. Jahrhundert finden Ansichten des Domes durch auflagenstarke Druckgraphik weite Verbreitung, z. B. als Illustrationen von Reiseführern. Daraus folgt häufig der Verlust an Detailtreue und historischer Zuverlässigkeit, zum Teil aber auch künstlerischer Qualität.
Mit dem Aufkommen der Photographie reduziert sich das Interesse an topographisch exakten Darstellungen.

Johann Stössel, Holzschnitt von 1518

Die älteste Ansicht zeigt einen Ausschnitt des Stadtpanoramas vom Rhein her. Der Dom mit den beiden hohen gotischen Helmen und die davor stehende Liebfrauenkirche bilden den Mittelpunkt. Davor der Fischtorturm als Zugang zum Rhein. Auf dem Dach des Westturmes (hinten) sind Gauben angedeutet.


Franz Behem, Holzschnitt von 1565

Auf dem prächtigen Stadtprospekt ist die Dom-Liebfrauengruppe starkt überhöht wiedergegeben. Der Dom überragt die höher liegende Stephanskirche (links davon) deutlich. Gut erkennbar sind die beiden hohen mit Gauben besetzten Helme. Die große Anzahl der übrigen Kirchen im Stadtbild weisen auf Mainz als geistliches Zentrum hin.


Wenzel Hollar, Federzeichnung von 1632

Die kleinformatige Zeichnung , eine Detailstudie zur großen Gesamtansicht der Stadt, zeigt die Kirchengruppe von Südosten hoch aufragend über den Dächern. Gut sichtbar sind die 1579 errichteten Satteldächer und die Laterne über dem gotischen Geschoss des Ostturmes. Am rechten Bildrand die alte Universität mit ihren beiden Dachreitern.

Matthäus Merian, Kupferstich von 1633

Der Stich Merians ist das Grundmodell vieler späterer Mainz-Ansichten.. Monumental steht die Liebfrauenkirche vor der Ostfassade des Domes. Architektonische Details sind deutlich erkennbar. So der nach 1579 veränderte Ostturm mit Satteldächern und Laterne und die Gauben auf dem Westturm.


Nikolaus Person (?), Kupferstich um 1700

Der Kupferstich, ein Lobpreis auf das Mainzer Erzbistum, stellt den Dom inmitten der Stadt von der Nordseite (Marktseite) aus dar. Die niedrige Domumbauung mit Ladenbuden lässt den Blick frei auf die gotische Kapellenreihe. Auf der Gothardkapelle, vor das Westquerhaus gerückt, ist der später abgebrannte Turm zu erkennen. Die Bischöfe Bonifatius (links) und Crescens flankieren den Dom.

 

 

Jan de Beyer (?), Federzeichnung von 1753

Die Federzeichnung bietet den Blick von der Nordostseite vom Liebfrauenplatz über den Markt zum Dom. Besonders die Ostseite mit den beiden noch vom Willigis-Dom stammenden Rundtürmen und dem gotischen Turmgeschoss zeigen in den architektonischen Details  bemerkenswerte Genauigkeit. Im Hintergrund der spitze Turmhelm der Gotthardkapelle und das kuppelförmige Dach der Sebastianskapelle.


Pieter de Liender, Ölgemälde von 1757

Pieter de Liender benutzt die Jan de Beyer zugeschriebene Federzeichnung von 1753 als Vorlage für sein Ölgemälde, das bis in kleinste Details damit übereinstimmt. Als Staffage hat er zahlreiche Personen – Soldaten, Frauen, Kinder – hinzugefügt, die den Markt beleben. Besonders gut zu erkennen sind die Häuser der Domumbauung.


Georg Schneider, Ölgemälde um 1800

In der Nacht vom 28. auf  den 29. Juni 1793 wurde der Dom während der Belagerung von Mainz durch die Alliierten in Brand geschossen. Dieses Ereignis wurde mehrfach auf Bildern wiedergegeben. Auf dem Westturm des vom Feuer hell erleuchteten Domes ist der bereits nach dem Brand von 1767 von Ignaz Michael Neumann erneuerte, steinerne Turmhelm zu erkennen.


Carl Kuntz nach Georg Schneider, Aquatinta um 1800

Die Folgen der Katastrophe von 1793 zeigt die Ansicht des Domes vom Leichhof her. Die westlichen Teile sind intakt. Die Türme des Ostteils stehen als Ruinen. Die Dächer sind verbrannt, die Maßwerkfenster zerborsten. Im Vordergrund die bis auf die Grundmauern zerstörten Stiftsgebäude und Privathäuser am Leichhof.


Bernhard Hundeshagen, Aquarell um 1820

Die außerordentlich detailgenaue Darstellung der Ostseite mit dem Heumarkt (heute Liebfrauenplatz) zeigt den Dom in einer ersten Notsicherung. Die Spitzen des gotischen Turmgeschosses ragen in den Himmel. Im Inneren ist eine Abdeckung mit Brettern und Blechen zu erkennen, ebenso auf den Dächern. Die Ruinen der Liebfrauenkirche und des Kreuzgangs auf der linken Seite sind  bewachsen. Auf dem Platz findet geschäftiges Treiben statt.


Bernhard Hundeshagen, Aquarell um 1820

Nord-westliche Domansicht von Bernhard Hundeshagen um 1820

Die Westteile des Domes hatten den Brand nach der Beschießung relativ unbeschadet überstanden, wie diese Nordwestansicht zeigt. Vor dem Westquerhaus das nach 1767  errichtete Walmdach auf der Gotthardkapelle. Sehr präzise ist die Domumbauung mit dem lang gestreckten Domherrenhaus des späten 16. Jhs,  dem Stadtgericht von 1611 und dem barocken Haus Halenza wiedergegeben.


Heinrich Franz Schalck, Ölgemälde von 1829

Auch auf diesem Gemälde erscheint der Dom im Zustand nach der Notsicherung. Erkennbar ist, dass auch das Dach des Langhauses mit Brettern und Blechen abgedeckt war. Auch hier die Bebauung mit dem Domherrenhaus, dem Stadtgericht und dem Haus Halenza. Herausgehoben aus der den Markt bevölkernden Menschenmenge sind im Vordergrund bekannte Mainzer Persönlichkeiten dieser Zeit.


Gouache um 1835

Nach 1835 erscheint die Nordwestseite des Domes völlig freigeräumt. Das Domherrenhaus und das Stadtgericht sind abgebrochen, nur das Haus Halenza steht noch. So sind Westquerhaus und die Sakristeianbauten um den Westchor zu sehen.


Lithographie um 1840

1828 erhält der Ostturm eine neue Bedachung, die sog. Mollerkuppel. Auf das gotische Turmgeschoss wurde eine Konstruktion aus Eisen, bedeckt mit Zinkplatten, aufgesetzt. Die Zeitgenossen bewunderten die technische Leistung, weniger die Form.
Die übrigen Dächer sind jetzt mit Schiefer gedeckt. Auf der rechten Bildseite erkennt man die Fassade des Hauses „Zum römischen Kaiser“.


Gouache um 1840

Auf dieser Ansicht aus Westen  ist der Dom mit Mollerkuppel zu sehen. Das  Interesse gilt hier besonders dem 1837 errichteten Gutenbergdenkmal, dem auch die Passanten ihre Aufmerksamkeit widmen. Das hohe Dach am rechten Bildrand gehört zur Johanniskirche.


Aufnahme um 1900

Um 1870 wurde die Mollerkuppel auf dem Ostturm im Interesse eines stilreinen Erscheinungsbildes durch einen neoromanischen Turmaufbau ersetzt. Auch die beiden Rundtürme erhielten entsprechende Bekrönungen.


Alfred Mumbächer, Aquarell um 1950

Der Blick vom Höfchen auf die Nordwestseite des Domes lässt die Zerstörungen des zweiten Weltkriegs an der Häuserzeile erkennen. Inmitten der Ruinen wirkt der Dom intakt, obwohl auch er Schäden erlitten hatte.


Nachweise

Verfasser: Ulrike Glatz