Das Grabmal Siegfrieds III. von Eppstein

Die Grabplatte des Mainzer Erzbischofs Siegfried III. von Eppstein (1230-1249) war ursprünglich der Deckel eines Tumbagrabes (Tumba nennt sich der rechteckige, meist steinerne Unterbau oberhalb eines Grabes, auf dem die Grabplatte aufliegt). Nach dem Abbau des Tumbagrabes 1445 wurde die Grabplatte im Ostchor aufgehängt. Nach verschiedenen Platzwechseln hängt das Denkmal seit 1865 am heutigen Platz am ersten südlichen Mittelschiffpfeiler.

Stil und Ikonographie

Das bald nach 1249 entstandene Denkmal ist das älteste erhaltene figürliche Grabdenkmal im Mainzer Dom. Es ist gleichzeitig eines der ungewöhnlichsten der Kunstgeschichte und von hohem künstlerischem Wert. Es wurde aus grauem Sandstein gefertigt. Die Bemalung wurde 1834 zwar in den ursprünglichen Farben erneuert, allerdings verwendete man nun Ölfarbe statt Kasein oder Tempera. Stilistisch liegen Beziehungen zur Magdeburger und Bamberger Plastik vor. Deshalb geht man davon aus, dass die Grabplatte das Werk eines Magdeburger Meisters ist. Es ist von strenger Symmetrie bestimmt und die Personen sind noch idealisiert dargestellt - denn von wirklichkeitsgetreuen Portraits kann man bis in das 15. Jahrhundert hinein noch nicht ausgehen. Die sehr plastische Form der Figuren, der Köpfe und Gewänder ist von der französischen Skulptur des 13. Jahrhunderts beeinflusst.

Das Amt des Erzbischofs steht im Vordergrund. Innerhalb eines einfachen Rahmens steht der Erzbischof im bischöflichen Gewand mit den Zeichen seiner Bischofswürde (Mitra, Gewand, Bischofsstab) auf einem Löwen und einem Basilisken (Fabel- Mischwesen zwischen Drache und Hahn, Symbole des Bösen). Ikonographisch wird damit die Überwindung des Bösen nach dem Bibelpsalm 90,13 dargestellt. Im Gegensatz zu späteren Grabdenkmälern sind die Figuren hier noch nicht in einer Blendarchitektur eingefasst. Stattdessen füllen die Figürlichkeiten noch die ganze zur Verfügung stehende Fläche innerhalb des stufig profilierten Rahmens aus.

Das Bildprogramm und seine politsche Botschaft

Der Erzbischof setzt zwei Personen, laut Inschrift Heinrich Raspe von Thüringen (1246-1247) und Wilhelm von Holland (1248-1256), Kronen auf. Szepter und Schwert - Symbole der weltlichen Macht - weisen beide als Könige aus. Es handelt sich um Gegenkönige gegen Kaiser Friedrich II. Der Mainzer Erzbischof zeigt sich hier als Parteigänger des Papstes in dessen Konflikt mit dem Kaiser.

Auch wenn auf dem Grabdenkmal zwei Krönungshandlungen dargestellt sind, ist es kein Dokument des Mainzer Anspruchs auf das Krönungsrecht. Heinrich Raspes Erhebung zum König geschah durch die Erzbischöfe von Köln und Mainz gemeinsam, Wilhelm von Holland war vom Köln Erzbischof in Aachen gekrönt worden. Vielmehr ging es dem Mainzer Erzbischof um die Darstellung seiner dominierenden Rolle bei der Wahl des Königs. Er setzt sich hier gegen Kölner Ansprüche zur Wehr, die aus ihrem Krönungsrecht auch die Kontrolle des Wahlvorgangs ableiteten. Das Denkmal ist zugleich ein Dokument des Selbstverständnisses eines geistlichen Fürsten. Die beiden weltlichen Könige sind kleiner dargestellt. Zwar fühlte sich Siegfried III. den weltlichen Herrschern nicht überlegen, aber im Kontext seines Grabmals fungieren die Könige nur als Attribute, da Siegfried III. eben vorrangig seine besondere Stellung als Mainzer Kurfürst demonstrieren wollte und diese besondere Stellung der Mainzer Erzbischöfe sollte auch für kommende Zeiten dokumentiert werden.

Inschrift

Sifridus tertius huius sancte sedis archiepiscopus rector Fuldensis ecclesie legatus apostolicus

Sigfried III. Erzbischof dieses heiligen Stuhles, Rektor der Fuldaer Kirche und apostolischer Legat

Ein weiteres Dokument der Mainzer Ansprüche im Zusammenhang mit der Königswahl ist das Grabdenkmal Peters v. Aspelt (1306-1320).

Nachweise

Verfasser: Elmar Rettinger und Rebecca Mellone

Bearbeiter: Rebecca Mellone

Geändert am: 22.10.2010

Literatur:

  • Arens, Fritz: Der Dom zu Mainz. Darmstadt 3. Auflage 2007, S. 82-83.
  • Nichtweiß, Barbara (Hrsg.): Lebendiger Dom. St. Martin zu Mainz in Geschichte und Gegenwart. Mainz 1998, S. 60.
  • Schuchert, August: Der Dom zu Mainz. Mainz 4. Auflage 1963.
  • 2000 Jahre Mainz. Geschichte der Stadt-digital