Ausstattung im Westbau

Chorgestühl im Westchor

Das Mainzer Chorgestühl wurde zwischen 1755 und 1760 vom Mainzer Hofschreiner Franz Anton Hermann geschaffen und ist der traditionelle Platz der Mitglieder des Domkapitels. Es ist eines der schönsten Rokokogestühle des 18. Jahrhunderts - es hat auch den stolzen Preis von 8.800 Gulden gekostet (geschätzt circa 500 000 Euro.) Das Chorgestühl passt sich dem Oval des Westchores an. In zwei Reihen haben 63 Personen Platz.

Im Zentrum befindet sich der Sitz des Erzbischofs. Darüber ist die Figur des Dompatrones, des Hl. Martin, zu sehen, der (aus Symmetriegründen) seinen Mantel mit zwei Bettlern teilt. Figuren und Wappen symbolisieren die Tradition des Mainzer Stuhles und das Domkapitel, das das Gestühl finanziert hat.

Dass man das Chorgestühl heute noch bewundern kann, ist doppeltes Glück. Zunächst wurde es 1801 anlässlich der Nationalgüterversteigerungen - die Franzosen hatten die Kirchengüter eingezogen - auf Abbruch verkauft, konnte jedoch später von Bischof Colmar wieder zurückgekauft werden. Darüber hinaus blieb es auch 1813 verschont. Damals diente der Dom französischen Soldaten als Lazarett und Schlachthaus. Fast das gesamte Mobiliar wurde dabei verbrannt.

Taufbecken

Das Taufbecken des Domes steht heute im nördlichen Westquerhausarm. Es war im Jahre 1328 wohl ursprünglich für den Dom hergestellt worden, jedoch lange in der Liebfrauenkirche installiert, da die Dompfarrei dort ihr Taufrecht ausübte. Erst nach der Zerstörung der Liebfrauenkirche kam es in den Dom.

Das Taufbecken besteht aus Zinn und ist - bis auf den Deckel, der von 1804 stammt - noch original erhalten. An den Außenseiten sind Christus, Maria mit dem Kind, der heilige Martin mit dem Bettler und die zwölf Apostel abgebildet.

 

 

 

Inschrift

Disce, millenis tercentenis que vigenis octonis annis, manus hoc vas docta Johannis format ad inperium de summo canonicorum. Hunc anathema ferit, hoc vas qui ledere querit.

Wisse, im Jahre 1328 formt dieses Gefäß die erfahrene Hand des Johannes auf Geheiß des Obersten der Domherren. Den trifft der Bannfluch, der dieses Gefäß beschädigen will.

Orgel

Die heutige Orgel im Mainzer Dom ist eine relativ neue Anlage. Die Existenz einer Orgel ist aber schon seit dem 14. Jahrhundert nachweisbar. Die Geschichte der Mainzer Orgeln ist unmittelbar mit dem Funktionswandel und den architektonischen Veränderungen im Dom verbunden. Orgeln bestanden sowohl auf dem Ost- als auch auf dem Westlettner. Wann im Mittelschiff eine Orgel eingerichtet wurde, lässt sich nicht mehr genau ermitteln; 1565 ist vom Neubau einer Orgel die Rede, die sich an der Nordwand des Mittelschiffs befand und 1627 erneuert wurde. Die Orgel wurde beim Brand des Domes 1793 stark beschädigt und anschließend abgebrochen.

Die 1802 erbaute und nach ihrem Stifter benannte "Cüntzersche Orgel" wurde anlässlich der Domrestaurierung 1924 bis 1926 abgebrochen und durch eine neue, von der Firma Klais in Bonn erstellte Orgel ersetzt. Diese Orgel war allerdings ungünstig hinter dem Westchorgestühl plaziert.

In den Jahren 1960 bis 1964 wurde sie in zwei Teile geteilt - die Westchororgel mit 35 Registern und die Emporenorgel mit 43 Registern - und durch ein Orgelwerk mit 35 Registern im Ostbau ergänzt.

Dem Domorganisten steht heute eine über den Dom verteilte Anlage mit insgesamt 113 Registern und 7.928 Pfeifen zur Verfügung. Das Bild zeigt die Westchororgel von 1928 über dem Eingang zur Gotthard-Kapelle. Domorganist ist seit 1985 Albert Schönberger, ein weit über die Stadt Mainz hinaus bekannter Interpret alter und neuer Orgelstücke.

Der Altar der Familie von Nassau

Der aus Eifeltuff bestehende Altar wurde kurz nach 1601 errichtet. Er steht noch an originaler Stelle im nördlichen Querhaus.

Diese Altäre, für die der Nassauer Altar ein Beispiel ist, dienten dem Totengedächtnis der Stifter. An die Altäre waren so genannte Benefizien gebunden. Das waren Einkünfte, die einem Vikar gegeben wurden, der für die Verstorbenen die Messe las. 1537 existierten im Dom 42 Altäre und 48 Benefizien.

Der Altar wurde zum Gedächtnis des kaiserlichen Rates Philipp von Nassau-Spurkenburg (1582) und seines Bruders, des Domherrn Heinrich von Nassau (1601), errichtet. Sie waren die letzten ihres Geschlechtes, deshalb steht das Wappen der Nassauer im obersten Altargeschoss auf dem Kopf. Typisch für die damalige Zeit ist der Figurenreichtum des Monuments. Im Mittelpunkt steht die Kreuzigung Christi.