Hinweise

Kontakt

Martinus-Bibliothek - Wissenschaftliche Diözesanbibliothekc/o Bischöfliches Priesterseminar Augustinerstraße 34 Eingang: Grebenstraße 8 55116 MainzTel 06131 / 266-222Fax 06131 / 266-387Webseite

Oeffnungszeiten

Montag bis Freitag 9.00 bis 12.30 und 13.30 bis 18.00 Uhr

Literaturtipps

  • Hinkel, Helmut: Der verbrannte Schatz. Reste der Dombibliothek in der Martinus-Bibliothek. In: Domblätter 3, 2001, S. 49-54.
  • Hinkel, Helmut: Die Schlossersche Bibliothek in der Martinus-Bibliothek. In: Helmut Hinkel (Hg.), Goethekult und katholische Romantik. Fritz Schlosser (1780-1851). Mainz 2002, S. 207-219.
  • Hinkel, Helmut: Jesuiten – Bartholomiten – Weltpriester. Kurze Geschichte des Mainzer Priesterseminars. In: Helmut Hinkel (Hg.), Das Seminar. 200 Jahre Mainzer Priesterseminar. Mainz 2005, S. 93–119
  • Kany, Roland: Schlossers Welt. Funktion und Physiognomie einer Bibliothek. In: Helmut Hinkel (Hg.), Goethekult und katholische Romantik. Fritz Schlosser (1780-1851). Mainz 2002, S. 181-206.

Martinus-Bibliothek – Wissenschaftliche Diözesanbibliothek Mainz

Geschichte der Martinus-Bibliothek

Im bücherreichen Mainz ist die Martinus-Bibliothek die älteste Bibliothek, die noch ihre ursprüngliche Funktion erfüllt. Gegründet 1662 von Erzbischof und Kurfürst Johann Philipp von Schönborn (1649–1673) für das Priesterseminar erhielt sie ihren Grundstock durch die Bücherschätze seines Vertrauten und Vetters, des Domdekans Johann von Heppenheim gen von Saal (gestorben 1672). Diese alle Wissensgebiete seiner Zeit umfassende Sammlung hat sich trotz mehrfacher Plünderungen weitgehend erhalten, so stammt die Hälfte der Inkunabeln (ca. 500) und viele Handschriften aus ihr. Da die Alumnen gehalten waren, dem Institut der Bartholomiten beizutreten, sollten sie testamentarisch ihre Büchersammlungen dem Priesterseminar vermachen. Damit war, ohne dass ein Anschaffungsetat ausgeworfen werden mußte, ein kontinuierlicher Zufluß von Büchern gewährleistet. Deshalb beruht die wissenschaftliche Bedeutung der Bibliothek auf den Schenkungen, die ihr im Laufe von 350 Jahren zugekommen sind.

Durch Nachlässe von Gelehrten der verschiedensten und Forschungsgebiete bekam sie ihr einmaliges, charakteristisches Gepräge. Als Beispiele seien genannt: Kontroverstheologie (Adolph Gottfried Volusius, gestorben 1679), Kanonistik (Matthias Starck, gestorben 1708; Ludwig Philipp Behlen, gestorben 1777), Historie (Stephan Alexander Würdtwein, gestorben 1796), französische und deutsche Aufklärung (Franz Xaver Turin, gestorben 1810), Mainzer Geschichte (Johann Peter Schunk, gestorben 1814), Klassische Philologie (Johann Baptist Steinmetz, gestorben 1851) und Jurisprudenz (George Phillips, gestorben 1872). Aus Säkularisationsmasse kamen Drucke und Handschriften vom Jesuitennoviziat, dem St. Petersstift, dem Augustinerkloster und Reste der 1793 verbrannten Dombibliothek hinzu.

Schlossersche Bibliothek

Eine einzigartige Bereicherung erhielt die Sammlung durch die 35.000 Bände der „Schlosserschen Bibliothek“. Der Frankfurter Jurist und Konvertit Fritz Schlosser (gestorben 1851), Sachwalter und Verwandter Goethes, besaß eine der bedeutendsten Privatbibliotheken der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und die größte Sammlung von „Goetheana“ nach Weimar. Alle Wissenschaften seiner Zeit sind durch hervorragende Werke vertreten mit den Schwerpunkten: Weltliteratur im goetheschem Sinne, deutsche Literatur vom 15. - 19. Jahrhundert., Volkspoesie, Geschichte, besonders Quellenwerke, Theologie, Sprachen, Rechtswissenschaft, Völkerkunde, Kunst, Altphilologie, Naturwissenschaften, Nachschlagewerke etc.

Die Martinus-Bibliothek heute

Die heutige Martinus-Bibliothek ist als wissenschaftliche Diözesanbibliothek eine öffentlich zugängliche geisteswissenschaftliche Bibliothek. Mit ihrem Bestand von rund 300.000 Bänden und etwa 200 laufenden Zeitschriften stellt sie eine der großen philosophisch-theologischen Spezialbibliotheken Deutschlands dar. Die Schwerpunkte der aktuellen Bestände liegen in den Bereichen Theologie und Grenzgebiete, Philosophie, Quelleneditionen und Kirchengeschichte, besonders des Mainzer Raumes. Hinzu kommt ein großer Altbestand an Büchern aller Wissensgebiete sowie rund 1000 Inkunabeln, die einen vorzüglichen Querschnitt durch die Produktion des 15. Jahrhunderts bieten und 250 Handschriften, darunter das Sakramentar aus St. Alban um 900, ein Psalterium aus St. Peter (13. Jh.), ein llullistischer  Codex von 1300, die Nibelungenliedfragmente (L) um 1350, ein Stundenbuch um 1430, "Christus und die minnende Seele (1496), ein jiddisches Purimspiel (1751), Goethes "Tiefurther Journal" und viele mehr.

Der Wissenschaft gewidmet

Die Martinus-Bibliothek wendet sich besonders an Studierende und Forschende von Philosophie, Theologie, Geschichte und Germanistik. Wie Fritz Schlosser es bei seiner Stiftung bestimmte, will die Bibliothek aber auch „allen Freunden von Wissenschaft und Kunst“ dienen.

Nachweise

Verfasser: Helmut Hinkel