Die Privilegien von 1119/22

Nach dem Motto "Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte" zogen die Mainzer Nutzen aus dem Streit zwischen Kaiser und Erzbischof und erhielten erstmals in der Stadtgeschichte Privilegien von ihrem Erzbischof.
Im Jahre 1118 hatten die Mainzer Bürger Partei für ihren Erzbischof Adalbert von Saarbrücken in dessen Auseinandersetzung mit dem Kaiser ergriffen. Aus diesem Anlass verlieh der Erzbischof zwischen 1119 und 1122 den Mainzern Privilegien.
Diese lassen sich in zwei Punkten zusammenfassen:

  1. Die Mainzer brauchten keinen Gerichtsaufgeboten von Vögten außerhalb der Stadtmauer Folge zu leisten, sie durften innerhalb der Stadtmauer nach ihrem angeborenen Recht leben.
  1. Sie mussten keine Abgaben an Vögte außerhalb der Stadt zahlen. Die Abgaben innerhalb von Mainz wurden ohne herrschaftlichen Zwang erhoben. Die verwaltungsmäßige Durchführung wurde den Mainzern selbst überlassen

Im Grunde brachte das Privileg den Mainzern nichts Neues. Der Erzbischof bestätigte nur, was ohnehin schon Gewohnheitsrecht war. Mit Blick auf vergleichbare Privilegien aus anderen Städten war das Mainzer Privileg sehr vage formuliert. Offensichtlich handelt es sich hier um einen geschickten diplomatischen Schachzug des Erzbischofs. Er schenkte den Mainzern etwas, was sie ohnehin schon besaßen, verpackte es allerdings dekorativ, indem er die Privilegien 1135 in einer prachtvoll gestalteten Urkunde bestätigte und repräsentativ in das Marktportal eingravieren ließ. Dennoch kann man in dem Privileg mit Recht die Anfänge der Mainzer Stadtfreiheit sehen, die in dem Privileg von 1244 ihren Höhepunkt fand.
Die rechtlichen Unterschiede innerhalb der Stadt wurden zwar nicht beseitigt, doch traten noch existierende Abhängigkeiten gegenüber dem Stadtrecht in den Hintergrund. Das Privileg förderte die Ausbildung eines eigenen Stadtrechtes. Die Mainzer Bürger erhielten wohl keine Abgabenfreiheit, doch trat die Bürgerschaft nun als Institution zwischen Bürger und Erzbischof.

Nachweise

Verfasser: Elmar Rettinger

Literatur:

  • 2000 Jahre Mainz. Geschichte der Stadt - digital.