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Der Ostbau

Nach dem Brand von 1081 hat man bereits unter Kaiser Heinrich IV. begonnen, den Dom neu zu gestalten. Im Zuge dessen kam es um 1100 zur Errichtung des Ostbaus. Als Baumaterial verwendete man Quader und Bruchstein aus rotem Sandstein, der aus dem Haardt stammt. Dennoch zählen Teile des Ostbaus zum ältesten Baubestand des Domes (Baugeschichte), denn beim Neubau der Ostteile wurden Fragmente des alten Mauerwerks wiederverwendet - diese dürften noch der Zeit des Erzbischofs Willigis, also um 1000, angehören.

Der Ostbau von außen

Der heutige Ostbau besteht aus einem flächigen, nahezu ungegliederten Querriegel, der einem kurzen Querhaus ähnelt. Auf seinem Satteldach thront ein prächtiger achteckiger Turm. Zudem wird der Querbau durch zwei mehr-geschossige runde Treppentürme flankiert. Die Geschosse der Türme werden optisch durch Gesimse unterteilt, die von Pilastern (flache, senkrechte Steinbänder) getragen werden. Als weitere Zierde dienen Rundbogen-Friese. Auch die Flankentürme gehören zum ältesten Baubestand des Domes. Es ist umstritten, ob diese Überbleibsel des Willigis-Domes (vor 1009) sind oder ob sie erst unter Erzbischof Bardo und somit erst vor 1036 errichtet worden sind. Allerdings wurden sowohl die oberen Turmfreigeschosse der Treppentürme als auch der große Achteck-Turm in Gänze nach 1870 erneuert.

Dem Ostbau ist mittig eine halbkreisförmige Apsis vorgelagert, über der sich ein mit Nischen verzierter, resalitartiger Giebel erstreckt. Die Ostapsis weist einen 3-teiligen Aufriss auf. Im Sockel liegen die Öffnungen der darunter liegenden Ostkrypta. Darauf folgt das mit Blendarkaden und Rundbogenfenstern versehene Hauptgeschoss. Unter dem Kegeldach verläuft die balkonartige Zwerggalerie (um 1130) umher. Das Vorbild für den Mainzer Ostbau lässt sich im Dom zu Speyer finden.

Stil

Beim Ostbau lassen sich sehr gut die wesentlichen Bauformen der Romanik erkennen. Typisch dafür ist z. B. die Gruppierung von Türmen, die Gliederung der Bauteile durch rundbogige Wandnischen, Blendarkaden und das Einfügen von Zwerggalerien. Charakteristisch sind auch die Rundbogen-Friese, die sich z. B. am oberen Abschluss der Treppentürme oder am Giebel über der Apsis finden lassen. Diese treten auch am Langhaus und am Westbau in Erscheinung.

Die Portale des Ostbaus

Auch die rechts und links neben der Ostapsis liegenden romanischen Säulenstufenportale folgen im Prinzip dem Speyerer Vorbild. Das Besondere an diesen Portalen ist die vorspringende, rechteckige Umrahmung, die oben mit einem Gesims abschließt - die sogenannte Ädikula. Die Portale gehören zu den ältesten ihres Typus in Deutschland. Auch an der Bauornamentik, z. B. an den Kapitellen, lässt sich erkennen, dass die Portale um 1100 gebaut worden sein müssen, als Kaiser Heinrich IV. auch in Speyer Umbauten veranlasste.

Der Ostbau von innen

Der wichtigste Teil des Ostbaus liegt unter dem achteckigen Turm – eine große Freitreppe (erst 1928 entstanden) führt zum erhöhten Ostchor mit seiner Apsis. Der Ostchor besteht aus einem großen quadratischen Chorjoch (Grundriss). Die Seitenwände des Chores sind 2-geschossig aufgebaut und werden von einem Schildbogen umschlossen. Sie sind flächig massiv und sehr einfach gehalten. Die rundbogigen Öffnungen führen lediglich in die Seitenschiffe und in hochgelegene ehemalige Kapellen, in denen heute Teile der Orgel stehen. Belichtet wird der Ostchor durch drei Rundbogen-Fenster in der Apsis und durch die Fenster im Ostturm, der sich kuppelartig offen über dem Chor erstreckt. Direkt unter dem Ostchor befindet sich die Ostkrypta.

Nachweise

Verfasser: Rebecca Mellone

Literatur:

  • Arens, Fritz: Der Dom zu Mainz. Darmstadt 3. Auflage 2007.
  • Koch, Wilfried: Baustilkunde. Das Standardwerk zur europäischen Baukunst von der Antike bis zur Gegenwart. München 27. Auflage 2006.
  • Nichtweiß, Barbara (Hrsg.): Lebendiger Dom. St. Martin zu Mainz in Geschichte und Gegenwart. Mainz 1998.
  • Winterfeld, Dethard von: Die Kaiserdome Speyer, Mainz, Worms und ihr romanisches Umland. Regensburg 2000.