Hinweise

Literaturtipps

  • Winterfeld, Dethard von: Das Langhaus des Mainzer Domes. Baugeschichtliche Überlegungen. In: Die Bischofskirche Sankt Martin zu Mainz, Frankfurt a. M. 1986, S. 21-32.
  • Wilhelmy, Winfried: Rheinschiene versus Bistumsgrenze. Die Innenausstattung der Seitenkapellen des Mainzer Domes um 1300. In: Kunst in Hessen und am Mittelrhein 36/37 (1996/97), S. 73-86.

Das Langhaus

Langhaus des Doms

Das Langhaus besteht heute aus dem Mittelschiff und insgesamt vier Seitenschiffen. Im Anschluss oder möglicherweise auch parallel zu den Baumaßnahmen für die oberen Teile des Ostbaus, wurde um 1130 bis 1137 mit dem Bau des romanischen Langhauses begonnen. Die Einwölbung des damals noch 3-schiffigen Langhauses erfolgte aber erst zu einem späteren Zeitpunkt. In dem Jahrzehnt nach 1200 war das Langhaus im Wesentlichen vollendet. Erst in der Gotik (1279-1319) wurde das Langhaus noch einmal um zwei weitere Seitenschiffe erweitert, in denen noch heute Kapellen untergebracht sind.

Das Langhaus von außen

Neben dem Grundriss, lässt sich auch am äußeren Erscheinungsbild des Langhauses erkennen, dass es sich beim Mainzer Dom um den Typus einer romanischen Pfeilerbasilika handelt. Gerahmt von den niedrigeren Seitenschiffen, erhebt sich das Mittelschiff mit seiner Obergadenzone. Außer den paarweise angeordneten Rundbogen-Fenstern, ist auch das Blendwerk aus Lisenen und Rundbogen-Friesen ein typisches Zeugnis romanischer Baukunst. 40 Jahre später wurde dann mit ersten Umbaumaßnahmen am Langhaus begonnen – zwei weitere so genannte Kapellenschiffe sollten angefügt werden.

Nach und nach wurden die einzelnen Kapellen errichtet - die Außenmauern der romanischen Seitenschiffe mussten dafür abgebrochen werden. Auch ein ungeübtes Auge kann sofort den stilistischen Unterschied der Kapellenschiffe zum Mittelschiff erkennen. Sie sind ganz und gar der Hochgotik (1250-1350) verschrieben. An den Außenseiten liegen zwischen den Strebepfeilern große, spitzbogige Maßwerkfenster - ein typisches Merkmal der gotischen Epoche. Darüber hinaus kann anhand der Formentwicklung innerhalb der Gotik sehr gut nachvollzogen werden, wie man während des Umbaus vorgegangen ist. Man begann 1278/79 an der Nordseite des Domes mit der Errichtung der östlichsten Kapelle und weihte sie dem Hl. Victor. Dann arbeitete man sich weiter nach Westen vor, wobei man das sich noch in der romanischen Außenwand befindliche Marktportal erhielt. 1295 war das nördliche Seitenschiff vollendet. Die zwischen Marktportal und Querhaus liegende Marien-Kapelle wurde erst nachträglich um 1495 erbaut. Um 1300 fuhr man an der Südseite ganz im Westen mit der Errichtung der St. Michael-Kapelle fort. 1319 war dann auch das südliche Kapellenschiff fertig und der Mainzer Dom stellt sich seit dem als 5-schiffige Basilika dar.

Ursprünglich war das Langhaus ganz aus hellen Muschelkalksteinquadern gebaut. Doch seit der Domwiederherstellung im Jahre 1925 bestehen die sichtbaren Außenseiten der Obergadenwände des Mittelschiffs nur noch aus einer Zement- und Putzschicht, die gemäß der Farbigkeit von Ost- und Westbau rot gestrichen wurden. Bedeckt wird das Mittelschiff durch ein Satteldach aus Schieferstein. Beleuchtet und belüftet wird der Dachstuhl durch Giebelgauben mit Fensteröffnungen. Die Seitenschiffe werden von Pultdächern überspannt.

Das Langhaus von innen

Das Mittelschiff

Das Mittelschiff besteht aus hellem Muschelkalkstein, der vielleicht aus den nahegelegenen Steinbrüchen in Mainz-Weisenau stammt. Es hat eine Länge von 53 Metern und eine Breite von 13,50 Metern.

Für den Aufbau der Mittelschiffwände diente der Speyerer Dom als Vorbild. Der Wandaufriss ist in drei Zonen gegliedert. Die Arkadenzone (untere Zone) besteht aus breiten, hohen Rechteck-Pfeilern, die stufig profilierte Gesimse aufweisen. Dazwischen liegen schmale, rundbogige Öffnungen - die so genannten Arkaden. Darauf folgt eine Zone mit ausgemalten rundbogigen Blendfeldern. Den Abschluss bildet eine Lichtgaden-Zone mit paarweise angeordneten Rundbogen-Fenstern. An jedem zweiten Pfeiler zieht sich eine Halbsäule bis etwa zum oberen Abschluss der Blendfelder. Die Halbsäulen schließen mit einfachen Kapitellen mit Kämpfern ab. Auf den Halbsäulen liegt das Gewölbe des Mittelschiffs auf.

Das Mittelschiffgewölbe zeigt sich als Kreuzrippengewölbe und hat eine Scheitelhöhe von 29 Metern. Das Gewölbe wird zwischen jedem Mittelschiffjoch durch Gurtbögen (Rundbögen im Gewölbe) unterteilt. Die einfach gehaltenen Rippen und die Gurtbögen tragen die Last des Gewölbes und leiten den Druck an die Halbsäulen an den Pfeilern ab - sie werden deshalb auch Dienste genannt.

Die romanischen Seitenschiffe

Die beiden inneren romanischen Seitenschiffe weisen im Gegensatz zum Mittelschiff nur ein Kreuzgratgewölbe auf. Aber auch hier wird das Gewölbe durch Gurtbögen (Rundbögen im Gewölbe) zwischen den Jochen unterteilt, welche wieder in die so genannten Dienste aus Halbsäulen an den Pfeilern übergehen.

Die gotischen Seitenschiffe

Früher beinhaltete noch fast jedes Joch der gotischen Seitenschiffe eine eigene Kapelle. Seit dem frühen 19. Jahrhundert aber, sind jeweils zwei Seitenschiffjoche zu einer Kapelle vereinigt worden. Die Ausnahme bilden hier die St. Marien-Kapelle im Westen und die St. Victor-Kapelle im Osten der Nordseite, sowie die Michael-Kapelle im Westen der Südseite. Die Decke wird von Kreuzrippengewölben gebildet, die durch spitzbogige, profilierte Gurtbögen (Rundbögen im Gewölbe zwischen den Jochen) unterteilt sind.

Nachweise

Verfasser: Rebecca Mellone

Literatur:

  • Arens, Fritz: Der Dom zu Mainz. Darmstadt 3. Auflage 2007.
  • Imhof, Michael/Kunz Tobias: Deutschlands Kathedralen. Petersberg 2008.
  • Koch, Wilfried: Baustilkunde. Das Standardwerk zur europäischen Baukunst von der Antike bis zur Gegenwart. München 27. Auflage 2006.
  • Nichtweiß, Barbara (Hrsg.): Lebendiger Dom. St. Martin zu Mainz in Geschichte und Gegenwart. Mainz 1998.
  • Schuchert, August: Der Dom zu Mainz. Mainz 4. Auflage 1963.
  • Winterfeld, Dethard von: Die Kaiserdome Speyer, Mainz, Worms und ihr romanisches Umland. Regensburg 2000.
 
Hinweis: Diese Webseite wird vom IGL auch Jahre nach Abschluss des Projekts weiterhin zur Verfügung gestellt. Die unten angezeigten Inhalte sind aber veraltet und spiegeln möglicherweise nicht den aktuellen Forschungsstand wider. (Klicken Sie auf diese Meldung, um sie auszublenden.)